#23: Wie schmecken 100 Euro Wein?

Shownotes

In dieser Folge geht es um drei Weinreisen und vier Restaurantbesuche, um Château Palmer direkt neben stark gespritzten Weinbergen, um eine Warteliste von anderthalb Jahren in der Schwarzwaldstube und um die Frage, die mir ständig gestellt wird: Ist das den Preis wert, schmeckt man die vielen Euro wirklich?

Mit dieser Folge halte ich bewusst ich den Unterschied zwischen großen Namen und einer ehrlichen Leistung sauber auseinander, beim Wein wie in der Gastronomie.

Ich erzähle von

  • meiner ersten Burgund-Reise, noch jung, und der Ernüchterung, als der Wein direkt aus dem Fass ganz anders schmeckte, als ich es aus dem Glas kannte
  • Château Palmer und einer Vertikale vom Alter Ego in Bordeaux, direkt neben Weinbergen, die stark gespritzt waren
  • der zweiten Burgund-Reise mit Hans-Christian Kist, vorbei an La Tâche und Romanée-Conti, bis zur Verkostung von Échezeaux, Clos de Vougeot und Corton-Charlemagne direkt im Keller in Ladoix
  • vier Erlebnissen in der Spitzengastronomie, von einem eskalierten Abend in meiner Ausbildungszeit bis zu Serge Dubs und der Auberge de l'Ill im Elsass
  • der Schwarzwaldstube, ihrer anderthalbjährigen Warteliste und dem Gerücht um die Zimmerbuchung
  • der Frage, warum deutsche Winzer und Gastronomen eher im Ausland gehypt werden als im eigenen Land

Die Menschen hinter dieser Folge:

Hans-Christian Kist – Vinarium Zink, Bühl hat mir schon bei einigen Wein-Reisen die Türen zu Winzern geöffnet, die ich sonst nie erreicht hätte, und liefert bis heute Burgunder aus persönlichen Beziehungen und Geschichten, von Menschen für Menschen. https://www.instagram.com/vinarium.buehl https://vinarium.de/

Zum Abschluss mein Royal to go: Prüft den Hype, die Menschen, ihre Geschichte, bevor ihr mitrennt. Und schaut in eurem eigenen Betrieb, ob es nicht etwas gibt, auf das ihr selbst den Scheinwerfer richten könntet.

Wenn euch diese Folge etwas gegeben hat – abonniert Kirsch Royal, hinterlasst eine Bewertung oder schickt die Folge an jemanden, der sie braucht.

Kontakt: kirsch@maja-kirsch.com

Hier findest du mich: maja-kirsch.com

Dieser Podcast Kirsch Royal ist eine Produktion von STUDIO VENEZIA – the podcast company https://www.studiovenezia.de

Transkript anzeigen

00:00:08: Es gibt Namen, die spricht man anders aus.

00:00:10: Langsamer!

00:00:12: Mit mehr Luft dazwischen – so als müsste man sich erst hinstellen und aufrichten bevor man sie sagt.

00:00:17: Und genau um diese Namen geht es heute in dieser Folge.

00:00:20: Ich werde ständig gefragt ist das den Preis wert?

00:00:23: Schmeckt man die vielen Euro wirklich bei einem Wein der einen dieser großen Namen trägt?

00:00:29: Für alle neuen Hörerinnen herzlich willkommen.

00:00:37: unter anderem in Hotellerie und Gastronomie.

00:00:40: Wein begleitet mich seit über zwanzig Jahren, und ich möchte behaupten, Wein ist meine Berufung – eine meiner Tankstellen!

00:00:48: Diese Namen und meine Ausbildung lief alles parallel.

00:00:55: Ich hatte der Stipendium der Somalillon Deutschland und gleichzeitig habe ich aktiv in der Sterne Gastronomie gearbeitet Als Kommi, als Kommisommelier und Gastgeberin.

00:01:08: Ich würde sagen Learning by Doing!

00:01:10: Man lernt die Lage oder etwas über die Weine während man dazu einen Teller serviert.

00:01:16: Seitdem war ich mehrfach in diesen sogenannten gehypten Regionen – und ich will es gleich ganz ehrlich sagen, das waren nicht überall dieselben Gefühle.

00:01:27: Burgund, Bordeaux, nochmal Burgund… Und die Champagne kennt ihr hier schon.

00:01:32: aus dem Podcast In der Champagne habe ich begriffen, dass dort niemand einen Getränk verkauft.

00:01:37: Dort wird ein Verfahren verkauft das sich irgendwie in ein Lebensgefühl übersetzt hat.

00:01:42: Aber heute geht es nicht nur um Wein.

00:01:45: Es geht um Tische, um Wartelisten Um Häuser und die Geschichten kursieren Geschichten oft der Superlative Natürlich auch in erster Linie aus der Küche oder über die Küche.

00:01:59: Ich finde am Ende zählt das gesamte Erlebnis, nicht nur das was auf dem Teller lag.

00:02:04: Aber fangen wir chronologisch an!

00:02:06: Eine meiner ersten sogenannten Hype-Besuche war das Begund.

00:02:11: ich war damals in der Schwarzwaldstube und deutlich jünger als heute und auch noch nicht so sensorisch versiert wie ich das vielleicht heute bin.

00:02:19: Und für mich war dieser Besuch ehrlicherweise eher eine Enttäuschung Und nicht wegen der Region und nicht wegen den Menschen, die kann ich mich gar nicht so richtig erinnern.

00:02:30: Sondern eher so sensorisch!

00:02:32: Ich kannte großartige alte gereifte Begunter vom Servieren aus den Restaurants, aus dem Glas... ...und plötzlich hatte ich fast Proben in dem gleichen Glas oder in einem anderen Weinglas.

00:02:46: Die waren jung, kantig und fertig.

00:02:48: Das hatte ich irgendwie nicht erwartet und war auch nicht vorbereitet.

00:02:52: Ich will mal so sagen, der erste Begundbesuch hat mich eher herausgefordert als begeistert.

00:02:58: Das Einste was mich so ein bisschen beruhigt oder vielleicht auch versöhnt hat war die Tatsache dass ich sie ja schon im Endstadium trinken durfte und wusste es scheint hier irgendetwas noch nicht fertig zu sein und sich noch zu entwickeln.

00:03:12: Ähnlich ging es mir in Bordeaux oder auch Bordeau war eine Reise, die ich im Jahr zwei Tausend neunzehnt mit Hans-Christian Kiss und seiner Frau vom Vinarium Zink machen durfte.

00:03:22: Und die kennt ihr ja schon aus Folge sechzehn aus meinem Burgundbesuch den ich diesjahr nochmal wiederholt habe.

00:03:29: Ich war so ein bisschen aufgeregt vor Bordeux.

00:03:31: das war für mich damals noch ein bisschen größer als das Burgund angesiedelt bei der Einschulung so, als würde man in die erste Klasse kommen.

00:03:41: Also diese Aufregung ist auf jeden Fall schon bei der Anreise bei mir spürbar gewesen.

00:03:47: Wir waren bei vielen namenhaften Häusern, Chateau Palmea, Lamozzi Sack, Château D'Angloudi, Domène de Glies, Brosszeit haben wir gemacht.

00:03:59: also wirklich tolle, tolle Häuser, die wir besucht haben und mittendrin auch hatte ich ja schon erwähnt Chateaux Palmeas Und dort gab es die Vertikale von dem sehr gehypten oder immer mal wieder in aller Munde liegenden Rotwein alter Ego.

00:04:16: Wir haben eine sogenannte Vertikarle gehabt, also mehrere Jahrgänge nebeneinander und wenn du viel über diesen Wein gelernt hast und ihn immer mal auch mit den Preisen im Restaurant eingeschänkt hat, macht das schon was mit dir?

00:04:32: Wenn du dann im Weingut stehst, das vor Ort probieren darfst, vorher den Keller besichtigt hast und auch die Geschichte dazu hörst.

00:04:41: Ich muss sagen, die Gastgeber auf all diesen Weingütern, die wir besucht haben waren unfassbar authentisch.

00:04:47: Und sie waren sehr nahebar!

00:04:49: Wir konnten unsere Fragen stellen – Sie haben uns ihre Häuser gezeigt, Ihre Keller gezeigt, Sie haben wunderbar für uns gekocht... ...und ich fand das plötzlich gar nicht mehr groß und gar nicht so unerreichbar und pathetisch wie man das vielleicht mit dem Namen immer verbunden

00:05:06: hat.".

00:05:08: Und ich darf sagen, in den Verkostungen haben sie auf jeden Fall geliefert.

00:05:13: Das was die großen Namen versprochen haben das haben Sie auch gehalten noch ein bisschen unterstützt durch diese sehr ehrliche und ja unfassbar authentische Art der Gastgeber die wir dort erleben durften.

00:05:29: Und genau auf derselben Reise also der Reise ins Bordeaux war die Ernüchterung direkt daneben würde ich sagen oder parallel.

00:05:37: Wir sind dann Weinbergen vorbeigefahren, die komplett totgespritzt waren.

00:05:42: Das war ein Bild was ich vorher vielleicht gar nicht so wahrgenommen hatte, nie so gesehen hat oder wo ich vielleicht auch nicht genau hingeschaut hatte und es ist aber auch ein Bild das man sich gar nicht ausdenken kann.

00:05:54: Da waren Zeilen, die unter dem Stock einfach gar nicht mehr grün waren weil einfach viel zu lange irgendetwas drauf gekommen ist mit dem die Natur gar nicht gut umgehen kann.

00:06:06: Und es war eben nicht nur bei kleinen unbekannten Lagen.

00:06:10: Das war auf der anderen Seite doch berühmten Weingüter, die wir verkostet haben – das waren große Namen!

00:06:20: Es war dieselbe Region und manchmal war's einfach nur die andere Seite oder auch der Kollege, der den Weinberg betrieben hat oder bewirtschaftet hat und der oft einen großen Namen hervorbringt.

00:06:35: Das ist so ein bisschen die Wahrheit dieser Folge.

00:06:37: Groß und ehrlich sind für mich mittlerweile zwei verschiedene Dinge, beide können aus derselben Region stammen und beide können nebeneinander existieren.

00:06:48: Aber gehen wir noch mal zurück ins Burgund, dem habe ich an der zweite Chance gegeben.

00:06:52: auch da hat mich wieder Hans Christian und Stephanie Kist oder Stephanie Schweizer uns Handchristian Kist begleitet oder Ich durfte sie begleiten.

00:07:02: Da gab es ja wirklich ehrfurchtige Momente, wenn du an Latasch oder an Romani Conti vorbeifährst.

00:07:10: Und das sind Namen die man sonst nur auf der Weinkarte liest und plötzlich waren diese so zum Anfassen nahe.

00:07:17: Sie war mitten in einem ganz normalen Dorf einer ganz normaler Gemeinschaft, die sich von diesem ganzen Hype um sie herum gar nichts hat anstecken lassen.

00:07:27: Ich glaube weil es am Ende einfach Trauben sind, die zu Wein gemacht werden.

00:07:33: Wir sind ja nicht nur vorbeigefahren an diesen großen Namen, an diesem großen Gemeinden.

00:07:37: Wir sind natürlich teilweise ausgestiegen und haben Bilder gemacht von den Ortsschildern weil sie für uns Someliers einfach so viel mehr bedeuten als einfach nur ein Ortseingang oder Ortsausgangsschild.

00:07:48: Wir haben natürlich diese Weingüter nicht nur um Vorbeifahren gehabt.

00:07:52: teilweise durften wir sie probieren.

00:07:54: zum Beispiel erinnert euch eine Domain Captain Gagnon in Ladois.

00:08:00: Das ist direkt am Fusse des Côtons Hügels und da war der Hype gar nicht direkt am Weingut, sondern eher an den Lagen die dort im Keller ja reifen durften.

00:08:12: Echesy, Claude Vujau, Coton Chalmagne, Allox Coton – das sind so große Rotweinnahmen oder Namen, die mich in meiner Ausbildung in diesen wunderbaren Sternehäusern begleitet haben, in denen wir immer ehrfurchtig waren wenn wir so etwas aus der Flasche holen konnten oder wenn wir das dekantieren durften, wenn wir so eine Flasche aus dem Keller holen durften.

00:08:35: Und plötzlich standen wir in einem ja nicht weniger bekannten Weingut und Keller und haben die größten Weine der Welt im Glas und haben sich verkostet.

00:08:48: Wie ich mich dabei gefühlt habe könnt ihr gerne noch mal nachhören.

00:08:50: in Folge sechzehn war das glaube ich da erzähle ich von dieser begunden Reise.

00:08:56: aber was mir Für diese Folge aufgefallen ist, dass man das auseinanderhalten muss.

00:09:01: Die großen teuren Bugunder mit ihrem berühmten Namen liegen ja viele Jahre im Keller bevor sie verkauft werden – entweder im Weingut oder dann aber auch später in der Gastronomie und das wird natürlich mit eingepreist!

00:09:14: Und was dazu kommt, ist der Status und ich glaube, dass Sie deshalb manchmal so einen wahnsinnigen Wert haben, der auf den Karten angedruckt wird Aber ich kann euch sagen, die Lage selbst das Dorf und die Menschen, die dort arbeiten sind von dieser Mythologie fast unberührt.

00:09:33: Ich will sagen der ganze Hype passiert um sie herum aber nicht durch Sie!

00:09:39: Und ich finde dass es ein wichtiger Punkt in dem es hier in dieser Folge eigentlich auch geht.

00:09:44: Der Wert eines Weines ist nicht immer der betriebswirtschaftliche Wert.

00:09:48: manchmal ist es ein Wert der gemacht wird weil Angebot-und Nachfrage das hergeben.

00:09:53: Ich vergleiche das immer so ein bisschen, wenn mich Gäste oder auch Kunden gefragt haben wie bei Kunst oder wie einem Gemälde.

00:09:59: Man steht davor für den einen ist es Kunst, für den anderen ist es einfach etwas Angemaltes, Ausgemaltes und plötzlich steht dann trotzdem der Wert von zwei Millionen im Raum.

00:10:13: Und dann fragt man sich natürlich was genau sind denn jetzt diese zwei Millionen?

00:10:18: Es gibt Menschen denen isst das, was sie dort sehen, zwei Millionen wert!

00:10:23: Und ich würde sagen, beim Wein ist das auch so.

00:10:26: Es gibt Menschen denen es ist, dass einfach wert diesen Preis für diesen Wein zu bezahlen.

00:10:34: Ich glaube, das kann man ganz gut miteinander vergleichen.

00:10:37: und wenn ich sage, dass es beim Wein auch so ist also... Ich würde jetzt sagen, beim Wein sind es Namen auf dem Edikett.

00:10:44: Entweder sind das Weingüter, die so gehypt werden oder es sind Lagen, die gehyped werden oder die einfach über viele Jahre einen gewissen Status, einen gewisse Wert sich erarbeitet haben.

00:10:55: in der Fangemeinde und in der Gastronomie würde ich sagen, sind es Sterne, die diesen Hype ausmachen.

00:11:02: Und manchmal ist es ja gar nicht der Stern an sich, der diesen Hybe ausmacht sondern ob man überhaupt ein Tisch bekommt.

00:11:10: In der Schwarzwärtsstube zum Beispiel, ein Haus mit drei Sternen war es so dass zu meiner Zeit man ungefähr anderthalb Jahre auf der Warteliste stand bevor man dort einen Tisch reservieren konnte.

00:11:21: Wir hatten auch nur achtundzwanzig Sitzplätze.

00:11:23: mehr gab's einfach nicht.

00:11:25: und später hörte ich davon das man ja dass man nur noch eine Tische in der schwarz-schwarzen Stube bekam wenn man auch Gast im Hotel war für ein oder zwei Nächte.

00:11:37: Das an dieser Stelle ungegoogelt mal mit eingeflossen, aber ich würde sagen das ist so Hype in Reihenform.

00:11:45: Die Knappheit macht den Platz wertvoller als jedes einzelne Gericht oder jedes einzelnen Menü was dort serviert wird sondern es geht erst einmal darum wie komme ich da überhaupt hin?

00:11:55: Wie komme ich hier überhaupt rein?

00:11:57: und vielleicht noch vier Erfahrungen aus meinem ja aus meiner Station oder aus meinem eigenen Leben mitgeben und daran sieht man dass Hype ganz unterschiedlich ausgehen kann auch.

00:12:10: Die erste Station, die erste Erfahrung war ich noch auszubildende.

00:12:13: Ich glaube zweite Serie und es gab ein Haus, ein gastronomisches Haus eine Gastronomie, die damals ultragehypt war mit drei Sternen ausgezeichnet.

00:12:24: Und eingeladen hat mich mein Lehrherr Eckhard Reimann den habt ihr schon mal gehört oder über den habt Ihr schon Mal gehört.

00:12:32: in Folge vier Und er hat uns eingeladen nach einer erfolgreichen Messe.

00:12:38: Eine ganze Woche haben wir dort das Catering gemacht und es war für mich eine wahnsinnig große Gaste, das war mein erster Dreisterne und ich habe das auch bis heute nicht vergessen.

00:12:48: Trotzdem kam dann die Einüchterung gar nicht beim Geschmack sondern eher beim Umgang mit uns.

00:12:55: Ich würde Adjektive benutzen wie arrogant oberflächlich... Man so erwartet in so einem Dreisternehaus oder was mir vielleicht immer auch wichtig war, wenn ich in solchen Häusern gearbeitet habe.

00:13:10: Diese Herzlichkeit diese Wärme und diese Gastverbundenheit die war an dem Tag leider aus.

00:13:16: man hat nur französisch mit uns gesprochen.

00:13:18: der Sommelier hat ja Ich will jetzt mal sagen mehr aus unseren Flaschen getrunken als für die Prüfung nötig gewesen wäre Was sich natürlich nachvollziehen kann weil mein Chef sehr großzügig wirklich auch tolle war eine Ausgesucht hatte.

00:13:32: Aber ich finde, es war zu diesem Zeitpunkt einfach nicht angemessen.

00:13:36: Und es gab so Situationen wie das zum Beispiel mein Chef nach dem Essen also nach dem Menü was wir hatten Das war kurz vor Mitternacht noch eine Zigarre rauchen wollte und man wirklich ehrlich diskutierte ob das denn jetzt noch sein müsse.

00:13:49: Zwei Hauptgänge kamen kalt an den Tisch glasig roh Es war Steinbrot und Taube.

00:13:54: Ich würde mal an der Stelle sagen die waren praktisch schlachtfrisch.

00:13:58: Wir haben ganz lange überlegt Ob wir das zurückgeben, ob wir es reklamieren.

00:14:02: Aber wir wollten das halt so nicht essen.

00:14:04: zum einen weil's einfach wirklich auch viel Geld gekostet hat und zum anderen... Weil wir glaubten dass sie's besser können und deswegen haben wir es zurück in die Küche geschickt.

00:14:13: was danach aber in der Küche losgingen das haben wir bis an unseren Tisch gehört Und natürlich kriegst du dann den Gang ersetzt und er kommt nochmal neu und der war wirklich in Perfektion.

00:14:23: im zweiten Anlauf In der Küche herrschte eine Ausnahmesituation davon.

00:14:29: Ja, das konnten wir uns ausmalen aufgrund der Lautstärke und der Töne die dort aus der Küchen kam nachdem wir Die Teller haben zurückgehen lassen.

00:14:39: also ich würde sagen totale Eskalation.

00:14:42: Und ja als Zusammenfassung so für den Abend da hat etwas Gehyptes eher enttäuscht als diesem Hype auch entsprochen.

00:14:53: und Ich will an dieser Stelle aber trotzdem fair bleiben auch weil ich Kollegin bin, vielleicht hatten sie einfach einen schlechten Abend.

00:15:00: Und das gehört auch bei den besten Mal dazu, weil dort sind ja Menschen und dort kochen auch Menschen und keine Maschinen.

00:15:07: Ich glaube schon dass dieser Ruf verdient war aber ich will an der Stelle auch sagen für uns konnten Sie es an dem Abend nicht abrufen!

00:15:15: Die zweite Erfahrung die ich gemacht habe war während meiner Zeit im Lusziakob.

00:15:25: Wir standen damals auf der Warteliste für einen Tisch und an einem Dienstagnachmittag, weiß ich noch ganz genau, kam plötzlich der Anruf dass sie eine Tisch frei hätten.

00:15:34: Wir hatten an dem Dienstag frei und wir sollten uns direkt entscheiden ob es möglich ist das wir am nächsten Mittwoch-Mittag dort sein könnten um halt dort zu essen Und dann würden wir diesen Tisch auch bekommen Und auch noch zusätzlich ein Zimmer.

00:15:49: Das war praktisch ein Sechser im Lotto, weil die Obersch zu diesem Zeitpunkt – ich weiß nicht wie es heute ist aber damals gar nicht so viele Zimmer hatte!

00:15:56: Aber für uns war's natürlich von Hamburg ins Asers gar keine Frage dass wir auch eine Übernachtung gebraucht hätten und idealerweise natürlich auch in der Obersche.

00:16:05: also dieser Anruf ihr könnt morgen Mittag da seid und ihr könnt auch eine Nacht bei uns bleiben und am Donnerstag wieder heim fahren war gefühlt ein Sechser im Loto.

00:16:16: Spannende an dieser Geschichte war ja auch, dass es gar nicht so um das Essen erst mal ging.

00:16:20: Weil wir wussten das ja noch gar nicht.

00:16:22: Das stand ja uns noch bevor Sondern das was davor passiert ist nämlich beide unsere Chefs mein Mätre Herr Alterma und Thomas Martin haben uns kussfristig freigegeben für diese zwei Tage ohne zu zögern weil des Restaurant Lucy also das Louis hat ja wieder aufgemacht und wir hätten nächsten Tag eigentlich beide einmal in der Küche und einmal im Service stehen müssen.

00:16:43: Und das haben die aber gar nicht so wirklich aus Kulans gemacht, sondern weil sie diesen freien Slot aus der Oberstil auch für etwas besonders gehalten haben und eher als Errungenschaft gesehen haben, die man sich nicht entgehen lässt.

00:16:56: Da hat Hype also längst die eigene Branche erreicht bevor wir überhaupt am Tisch gesessen haben.

00:17:02: Dann haben wir dort gesessen und natürlich haben wir alle Klassiker gegessen unter anderem halt auch die Gänseleber für dieses Haus einfach berühmt und berüchtigt war mit einem Brio, den ich bis heute nicht vergessen habe.

00:17:16: Und ich war superglücklich dass es auch am nächsten Morgen noch einmal diese Stoppflieber gab nämlich zum Frühstück zu diesem Zeitpunkt.

00:17:23: und das ist auch das besondere was mir in Erinnerung geblieben ist und wofür ich heute im Nachgang noch sehr dankbar bin.

00:17:30: Zu diesem Zeit Punkt standen Paul und Marke Berlin beide noch in der Küche.

00:17:35: Das fand ich schon beeindruckend aber das realisiert man erst immer wenn der eine irgendwann nicht mehr da ist Aber was ich wirklich beeindruckend fand an diesem Tag in der Küche, war die Mama, die dort unterwegs war.

00:17:47: Sie war zuständig.

00:17:48: Ich hab sie gefragt für die Wäsche und sie hat jeden Tag das Mittagessen für die Belegschaft gekocht also für alle Mitarbeitenden und Mitarbeiter, die da gearbeitet haben, Service wie auch Küche.

00:18:01: Und man muss jetzt wissen, wir haben zu diesem Zeitpunkt auch drei Sterne gehabt und die Mama hat jeden tag gekoacht diesem Niveau jeden Tag neu drei Sterne für ihre Gäste zaubert.

00:18:16: Und wir haben auch dann Mitarbeiter gesprochen und auch im Nachgang Kollegen getroffen, die in der Ubersch lange waren und die haben gesagt das war für sie immer das Highlight des Tages als die Mama gekocht hat und alle zusammen gesessen haben.

00:18:29: Das fand ich immer super schön weil es ja auch zeigt dass dieses hohe Niveaux was man hat Ja, dass man trotzdem noch die anderen Sachen zu schätzen weiß.

00:18:42: Auch wenn da so hochwertige Sachen auf der Karte stehen.

00:18:45: und in Nauberge habe ich ja glaube ich auch eines meiner großen Vorbilder kennengelernt.

00:18:52: Zerr Stübs Gastgeber und Sommelier ist glaube ich an diesem Tag als wir dort essen waren wirklich auch zu einem meiner Vorbildern geworden Und Ich durfte ihn Jahre später sogar mehrmals in der Schwarzwaldstube bedienen Wenn er bei uns zu Gast war.

00:19:06: Das war, als er das erste Mal in die Schwarzwaldstube kam mein Robi Williams Moment in der Gastro.

00:19:12: Also ein absoluter Weltstar für mich – der Sommelierie und man hat seine Klasse in jeder Sekunde gemerkt in seiner Art wie er serviert hat, wie er gesprochen hat und trotzdem ein unfassbar freundlicher und nahbarer Mensch.

00:19:28: Und offenbar war ja nicht nur mein Vorbild denn wenn es Herr Stübs im Haus war bei uns an der war unter anderem unser oder der sonst unfassbar souveräne und professionelle Stefan Gass, also mein Chef-Sommelier in der Schwarzwärtsstube auch immer ein bisschen aufgeregt.

00:19:49: Und ich hatte immer das Gefühl er fordert uns an diesem Tag noch ein bisschen mehr als sonst!

00:19:54: Ich glaube nicht, dass er das zugeben würde wenn man das fragen würde aber... ...ich glaube schon, dass es für ihn sehr stübs etwas Besonderes war.

00:20:02: Er war freundlich, wertschätzend und er hat immer ein bisschen was Besonderes zu trinken mitgebracht.

00:20:08: Manchmal hatte sich das von uns von der Karte ausgesucht, das durften wir dann auch mitprobieren und manchmal hatte er auch selbst etwas aus seinem eigenen Keller mitgebracht.

00:20:16: Und das war einfach großartig weil wir das auch probieren durften weine die wir vielleicht sonst nie bezahlen hätten können oder wollen und weil auch Stefan Gass immer in solchen Momenten nochmal besonders gezaubert hat, Weine rausgeholt haben die gar nicht offiziell bei uns auf der Karte standen um auch seinen eigenen Helden noch mal so ein bisschen zu begeistern würde ich sagen.

00:20:43: Und ich möchte sagen Serge war für mich mehr als eine reine Erinnerung.

00:20:49: er wurde für mich neben anderen großen Mätres die ich begleiten durfte aber war eher schon einer Metris, die für mich zu einer Vision geworden sind wie man als Gastgeber sein kann.

00:21:01: Und ich habe über viele Jahre gehofft und hoffte auch heute noch dass viele meiner eigenen Gäste vielleicht aber auch Mitarbeiter mit denen ich zusammen gearbeitet haben das sie sich einmal so gefühlt haben wie ich an diesem Tag im Januar im Elsass.

00:21:17: Das wünsche ich mir egal ob Sie bei mir zu Gast waren oder bei einem Teil meines Teams.

00:21:24: Oberstiel war ein Hype der wirklich gehalten hat, was er verspricht.

00:21:28: Der dritte Hype das war gegen Ende meiner Schwarzwaldstubenzeit eine Reise Richtung Ferran-Adria.

00:21:36: Herr Wohlfahrt hat für uns ein Tisch angefragt und wir hatten zwei Wochen Betriebsferien oder vier Wochen glaube ich aber wir hatten auf jeden Fall zwei Wochen frei und sind losgefahren Und haben uns die Zeit mit anderen Häusern und mit dem Essen auf den Weg dorthin vertrieben also praktisch eine Kette von Fallstudien ohne zu wissen, ob wir am Ende überhaupt einen Tisch bekommen würden.

00:21:59: Weil das war das was ja wie einfach in Kauf nehmen mussten.

00:22:02: Herr Wohlfahrt hat es versucht und er sagte aber Es kann halt sein dass ihr ganz kurzfristig dort landet oder dass ihr gar nicht dort landete.

00:22:10: Aber er würde sein bestes geben und dafür waren wir ihm super dankbar.

00:22:14: uns wars das auf jeden Fall wert Und ich spoiler an dieser stelle schon mal Wir landeten nicht in spanien bei Ferre-Adriard.

00:22:22: Wir landen bei Alain Ducasse in Monaco.

00:22:25: Das würde ich sagen, ist ein Hype der einen woanders hin trägt als man geplant hatte.

00:22:30: Ihr seht oder ihr hört gerade vier Geschichten mit vier verschiedenen Ausgängen.

00:22:34: Es war alles dabei Enttäuschung Erfüllung Umleitung eine Institution die ihre eigene Knappheit zum Programm gemacht hat.

00:22:43: und Ich würde sagen das ist so ein bisschen der Hype den Gastronomie ausmacht.

00:22:46: Man kann nie vorher wissen, was man wirklich bekommt!

00:22:49: Man kann nur wissen wie sehr man bereit ist dafür zu fahren, zu warten und zu zahlen.

00:22:56: Wenn ich das große Bild dieser Folge zusammenziehe sehe ich einen Muster.

00:23:00: Ich würde sagen Hype is kein Urteil über Qualität.

00:23:03: Hype ist eine Art Scheinwerfer Und ein Scheinwärfer zeigt nicht Was gut ist.

00:23:08: er zeigt wo gerade hingeschaut wird.

00:23:12: Er macht es heller Stärker sichtbar.

00:23:16: Manchmal steht darunter etwas Großartiges wie bei der Auberg, wo sogar die eigenen Chefs den freien Tisch als Errungenschaft behandelt haben.

00:23:24: Manchmal steht da runter nur ein Name und ein arroganter Service, wie das in dem Haus an dem Abend passiert ist während meiner Ausbildungszeit, dass ich gerade beschrieben habe.

00:23:33: Und manchmal, wie bei Chateau Palmerche, steht direkt daneben das Gegenteil – totgespritzte Zeilen, während zwei Kilometer weiter jemand seinen Boden wirklich, wirklich ernst nimmt!

00:23:44: Ich würde sagen, der Scheinwerfer selbst ist also nicht das Problem.

00:23:47: Das Problem ist wenn man den Scheinwärfer mit dem Wert verwechselt.

00:23:51: Ist es den Preis wert?

00:23:53: Schmeckt man die vielen Euro?

00:23:54: Die ehrliche Antwort manchmal ja weil Handwerk und Haltung dahinter stehen und manchmal bezahlt man nur die Knappheit dass sich die Kette, die Geschichte, die jemand anderes seit vielleicht hundertfünfzig Jahren erzählt.

00:24:07: ich finde wir Deutschen können Scheinenwerfer bauen wenn wir wollen Und da lohnt sich ein Blick auf unsere Automobilindustrie.

00:24:15: Da bauen wir weltweite Statussymbole und auch wenn wir von unserer Ausbildung auf unser Ausbildungssystem schauen, im Ausland gilt das wirklich als ausgezeichnet.

00:24:25: Ich finde beim Essen- und Trinken trauen wir uns das noch nicht so richtig zu oder wir trauen es uns nicht das zu behaupten Die Welt traut uns Genusskultur nicht zu.

00:24:36: Das haben uns Frankreich und Italien ein bisschen voraus zumindest im Ruf Und ich glaube, das macht es unseren Winzern und Gastronomen schwer die großen gehypten Namen zu überstrahlen oder selbst zu einem großen solcher Namen zu werden.

00:24:50: Man traut es uns einfach selten dazu in Deutschland.

00:24:54: Dabei haben wir längst diese großen Namen.

00:24:57: also nicht nur beim Wein.

00:24:58: zum Beispiel dass Adlonnen Berlin steht für absolute Spitzenhotellerie.

00:25:03: Die Traube Thunbach in Bayers-Pronnen mit der Schwarzwaldstube, aus der ich ja selbst komme ist eine echte Kaderschmiede, aus dem ein großer Teil der deutschen Spitzengastronomie hervorgangen ist.

00:25:14: Heute mit Thorsten Michel am Herd, der immer noch drei Sterne kocht.

00:25:17: Marco Müller zum Beispiel vom Rutz in Berlin aktuell das einzige Haus in der World's Fifties Best macht jeden Tag vor wie es geht – selbst wusste deutsche Küche ohne sich hinter fremden Vorbildern zu verstecken!

00:25:31: Und auch Christian Bauser hier an der Stelle mal genannt, ein Haus an der Mosel mit drei Sternen gehört seit Jahren in die Reihe, der auf höchstem Niveau und weltweit anerkannt ist.

00:25:41: Auch beim Wein gibt es solche Ikonen, solche gehyptem Weingüter.

00:25:46: Egon Müller an der Mosele, J.J.

00:25:48: Prümm oder ja, Mosel ist eigentlich falsch.

00:25:51: also Egon Möller eher an der Saar – J.G.

00:25:53: Prümm am Mosel.

00:25:54: Keller an Rhein-Hessen zum Beispiel!

00:25:56: Weltklasse mit Wartelisten, mit Preisen die sich nicht mehr nach der Flasche richten sondern nach der Nachfrage.

00:26:03: Nur wo werden sie gehypt?

00:26:05: Vor allem im Ausland!

00:26:07: In Deutschland kennt Sie außerhalb der Nische außer unser Sommeljebabel kaum jemand.

00:26:12: Getrunken und bezahlt werden Sie hauptsächlich woanders und dort machen Sie auch die hohen Preise die Sie längst verdient haben.

00:26:19: Bei uns zu Hause also hier in Deutschland tun Sie sich damit noch schwer.

00:26:24: Es gibt also beide Seiten.

00:26:25: Wir können es, wir haben es sogar schon!

00:26:28: Wir erzählen es nur viel zu selten und wir selber schauen auch gar nicht immer gut genug hin.

00:26:36: Wir schauen eher ins Ausland und gucken was andere besser machen.

00:26:41: und da nochmal mein Appell guckt noch mal was hier in Deutschland gerade gehypt wird als wir wirklich fantastische Winzer- und Gastronomen die es mit der Weltelite aufnehmen können.

00:26:50: Und damit komme ich zu meinem Royal To Go und das ist ehrlich gesagt eine Erlaubnis.

00:26:56: Aber davor steht auch eine Prüfung!

00:26:58: Ich hinterfrage die meisten Hypes, bevor ich überhaupt los renne – ich schaue auf die Menschen, die hinter diesen Hypes stehen.

00:27:04: Was macht der Hype mit ihnen?

00:27:08: Wer macht ihn eigentlich und was ist die Geschichte, die dahinter

00:27:12: steckt?!

00:27:13: Und meine Erfahrung, wenn der Hype um ein Konzept einen Wein was auch immer gar nicht geplant war.

00:27:18: Wenn die Menschen dahinter selbst davon überrascht werden dann ist meistens etwas dran.

00:27:23: Dann war es meistens richtig gut!

00:27:24: Wenn der Hybe dagegen von Anfang an über Marketing und Markenbildung geplant und inszeniert wurde hat das meinem Qualitätsempfinden bisher noch nie standgehalten.

00:27:35: Deshalb sage ich hier mutzulücke bei allem was sich glatt anfühlt um vielleicht zufällig entstanden zu sein.

00:27:42: Und wenn ihr die Prüfung besteht, rennt ruhig mit.

00:27:45: Wenn der Hype euch kriegt dann los damit!

00:27:48: Stellt euch in die Schlange zahlt den Aufpreis holt euch das Gefühl dabei gewesen zu sein.

00:27:52: ich mache es auch und ich finde es manchmal großartig und ich zeige es auch gerne meinen Posts oder meinen Stati von WhatsApp.

00:27:59: Für alle mit einem eigenen Betrieb schaut in euren Betrieb ob es nicht etwas gibt was ihr selbst in den Scheinwerfer stellen möchtet oder auf denen ihr den Scheinenwerfer mal richten möchtete.

00:28:10: Aber Achtung an dieser Stelle, erst die Substanz in Ordnung bringen und dann das Licht drauf halten.

00:28:16: Und jetzt zu euch!

00:28:17: Wenn euch das gefallen hat würde ich mich freuen wenn ihr eine weitere Folge von Kirsch Royale empfiehlt oder diese Folge vielleicht empfehlt, dann schickt sie einer Person die sich gerade wieder für einen Namen stark gemacht hat den sie eigentlich noch gar nicht besucht hat.

00:28:33: Einen Hype der ausgelöst wird bevor er vielleicht auch geprüft wurde.

00:28:38: Ich würde mich freuen, mein Name ist Maja Kirsch.

00:28:40: Das ist der Podcast Kirsch Real und er ist eine Produktion von Studio Venecia – der Podcast Company!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.